Das Entstehen der Boulderhalle in St. Johann ist ein sehr erfreulicher Anlass für alle Sportkletterer im Verein und für mich eine passende Gelegenheit, ein paar Gedanken dazu anzubringen. Weil, wenn gewisse Dinge 25 Jahre und mehr zurückliegen, kann man schon fast den Begriff „historisch“ verwenden.

Es begann in der Garage eines Privathauses im Kirchdorfer Ortsteil Moosen; diese hatten sich einige aus der damaligen Jungmannschaft (Harasser Klaus, Kernmaier Roman und Sigi, Dötlinger Andi u.a.) gemietet, um darin zu trainieren. Ein selbstgetischlerter Klimmzugbalken und einige künstliche Griffe an den Wänden und am Plafond waren das „Inventar“, abends traf man sich zum Kletter- und Konditionstraining. Die Miete für den Raum betrug monatlich 200 Schilling. Als wir vom Vereinsvorstand von dieser Initiative erfuhren, statteten wir den eifrigen Trainierern einen Besuch ab, um uns das anzuschauen. Und natürlich tauchte gleich der Gedanke auf: ließe sich so eine Trainingsmöglichkeit nicht im Alpinheim, also innerhalb des Vereines, installieren? Zumal der damalige Jugendwart Schorsch Perchtold von einer Versammlung aus Reit im Winkl
ganz begeistert zurückkam; er hatte dort an der Außenwand des Jugendheimes eine Holzwand mit ein paar künstlichen Griffen gesehen, und die Begeisterung von Schorsch war groß, dies auch für seine Jugend zu machen. Und die Jungmannen waren sehr erfreut über die Möglichkeit, einen größeren Raum zu erhalten, ohne Kosten. Es wurde mit den andern Alpinheim-Vereinen gesprochen, Bergrettung, Bergwacht und Ski-Club zeigten sich kooperativ, natürlich mit der Auflage, dass der Schulungs- und Versammlungsraum als solcher erhalten bleiben muss. Das Projekt „Kletterwand“ konnte also beginnen; das Wort „Bouldern“ hatte damals noch niemand in seinem Sprachschatz.

Vorerst aber benötigten wir noch fachmännischen Rat und bemerkten bald, dass es in Sachen „Kletterwand“ nur ein sehr bescheidenes Know-how gab. Ist der Raum geeignet, passt die Raumhöhe, genügt die vorhandene Fläche? Mit Robert Renzler, damals Leiter des Alpinreferates im ÖAV-Hauptverband und heute der Alpenvereins-Generalsekretär, wurde Kontakt aufgenommen; an einem heißen Sommertag im August 1989 kam er extra für unser Anliegen nach St. Johann, wir trafen uns an Ort und Stelle und rasch erfolgte sein Rat: sofort angehen, das wird eine gute Sache. Es war nicht schlecht, dass gerade zu dieser Zeit die Firma Art-Rock in Jenbach ihre Tätigkeit aufnahm, wir hatten eine Bezugsquelle für Griffe und Matten.
Doch vorerst musste die Wand gebaut werden. Und hier half die Jungmannschaft fest zusammen, es wurde überlegt, beratschlagt, diskutiert, geplant und dann, an einigen Wochenenden und zahlreichen Abenden, wurde in der Zimmerei Pletzenauer und im Alpinheim gezimmert und getischlert, auch Schlosser und allerlei sonstige Helfer waren am Entstehen beteiligt. Im Mai 1990 war es dann soweit, im Rahmen einer kleinen Feierstunde an einem Samstag-Nachmittag präsentierte sich das Werk stolz den zahlreichen Besuchern mit einigen Dutzend bunter Griffe, ein paar Rundlingen, die Schorsch Perchtold aus Holz gedrechselt hatte und ein paar Kasisersteinen, die angebohrt und an die Holzplatten geschraubt wurden; Sparen und Improvisieren war damals natürlich angesagt.

Unsere Kletterwand war damals eine der ersten – wenn nicht überhaupt die erste – derartige Anlage in Tirol und sie hat die Entwicklung des Sportklettersektors im Verein und in der Region ungemein beeinflusst und gefördert; zahlreiche tolle Ergebnisse unserer jungen Sportkletterer bei den aufkommenden Kletterbewerben sind ein Beweis dafür. Dass auch diese Kletterbewerbe hier in St. Johann tirolweit ihren Ursprung hatten (Tourismusschule 1993), hat auch eine Erklärung: das Sportklettern hatte in St. Johann solide Wurzeln geschlagen.
Der Trainingsraum hat sich dem Trend des Sportkletterns entsprechend ständig weiterentwickelt, aus dem Schulungs- und Versammlungsraum wurde bald ein stark frequentiertes Trainingszentrum.

Wenn heute auf ein Vierteljahrhundert „Kletterwand Alpinheim“ zurückgeblickt werden kann ist das Erfreulichste, dass in dieser Zeit unzählige Sportkletterer aller Altersklassen diesem tollen Sport frönen konnten und noch können. Die neue Boulderhalle eröffnet natürlich dann eine neue Dimensionen und ist ein großer Meilenstein für unseren Verein. Dazu kann man nur gratulieren!

Horst Eder
Sektions-Obmann 1989-2000